Wiener Fiaker mit zwei weißen Pferden vor historischer Hofburgarchitektur in der blauen Stunde. (KI-generiert)
Der Fiaker ist ein Zweispänner – das unterscheidet ihn vom einfacheren Einspänner. · Bild KI-generiert

Österreich ist unter den Kutschregionen die mit der ungebrochensten Linie. Während anderswo der Kutschbetrieb im 20. Jahrhundert erst verschwand und später als Nostalgieangebot zurückkehrte, ist der Wiener Fiaker seit rund 350 Jahren durchgehend im Stadtbild – erst als Verkehrsmittel, heute als Rundfahrt.

Der Wiener Fiaker

Ein Fiaker ist genau genommen ein Zweispänner, also eine Mietkutsche mit zwei Pferden – im Unterschied zum billigeren und weniger vornehmen Einspänner. Das Wort bezeichnet in Wien beides: den Wagen und den Kutscher, der als Stadtfigur eigene Berühmtheit erlangt hat.

Der Name stammt aus dem Französischen und geht auf den ältesten Pariser Standplatz von 1662 in der Rue Saint-Fiacre zurück, benannt nach dem irischen Mönch Fiacrius. In Wien wurden Fiaker um 1670 im innerstädtischen Verkehr üblich – zunächst für Güter und Personen, im 19. Jahrhundert dann als fester Bestandteil des Stadtlebens.

Seit dem Ersten Weltkrieg dient der Fiaker vor allem Stadtrundfahrten, Ausfahrten in den Prater und besonderen Anlässen wie Hochzeiten.

Fiaker fahren in Wien

Standplätze
58 Fiakerstandplätze allein im 1. Bezirk, verteilt auf fünf Standorte
Beste Anlaufstellen
Einfahrt zur Hofburg und Umgebung des Stephansdoms
Betriebszeit
täglich etwa 11 bis 22 Uhr
Buchung
Spontan am Standplatz möglich, für Hochzeiten und Sonderfahrten im Voraus
Gespann
Zweispänner (Fiaker), historisch daneben der Einspänner

Ein Hinweis zur Debatte

Der Fiakerbetrieb in Wien wird öffentlich kontrovers diskutiert – es geht um Hitzeregelungen, Arbeitszeiten der Pferde und die Frage, ob Pferdegespanne in den dichten Stadtverkehr gehören. Die Stadt hat darauf mit Auflagen reagiert, unter anderem mit Hitzegrenzen, ab denen nicht gefahren werden darf.

Wer sich damit unwohl fühlt, findet in den ländlichen Regionen Österreichs Alternativen: Dort fahren die Gespanne auf unbefestigten Wegen, ohne Verkehr und ohne Asphalthitze. Wir halten es für richtig, das offen zu benennen, statt es zu übergehen.

Jenseits von Wien

  • Salzkammergut: Seen- und Bergkulisse, Kutschfahrten meist ab Ortschaften und Höfen, im Winter vielerorts Pferdeschlitten.
  • Wachau: Donautal, Weinterrassen und Klosterorte – landschaftlich die lieblichste Strecke des Landes.
  • Wienerwald: Waldwege in unmittelbarer Nähe zur Hauptstadt, eine gute Kombination für Städtereisende, die einmal ins Grüne wollen.

Anders als in Wien gibt es hier keinen zentralen Standplatz. Das Angebot ist hofgebunden und wird meist über die örtlichen Tourismusverbände vermittelt.

Die historische Wurzel

Dass Österreich eine Kutschtradition hat, ist kein Zufall. Die Familie Thurn und Taxis baute ihr Kuriernetz ursprünglich im Auftrag der Habsburger auf; belegt ist es seit 1490. Bis Mitte des 16. Jahrhunderts spannte es sich über ganz Westeuropa – von Sizilien bis in die Niederlande, von Wien bis Lissabon. Wien war damit von Anfang an ein Knotenpunkt des europäischen Postwesens, lange bevor der Fiaker seinen Namen bekam.

Hinweis: Für den Wiener Fiaker gelten wetterabhängige Auflagen; an sehr heißen Tagen wird der Betrieb eingestellt. Preise werden pro Fahrt und Gespann berechnet, nicht pro Person.

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